Entlassen - was nun?

Liebe Patientin und lieber Patient,

Sie waren wegen einer Tumorerkrankung bei uns in stationärer Behandlung, jetzt werden Sie nach Hause entlassen. Beim Entlassgespräch werden Ihnen von der/m Stationsärztin/-arzt die Medikamente erklärt, die Sie weiterhin einnehmen sollen und ein Arztbrief für Ihren Hausarzt mitgegeben. Falls notwendig wird ein erneuter stationärer oder ambulanter Termin für Sie in unserer Klinik vereinbart. 

Sicher fragen Sie sich, was Sie selbst noch dazu beitragen können, dass es Ihnen besser geht. Auf dieser Webseite haben wir Ihnen einige Informationen zu häufig bei Entlassung entstehenden Fragen zusammengestellt. Natürlich kann dies nur in allgemeiner Form geschehen. Konkrete Fragen zu Ihrer Erkrankung besprechen Sie bitte mit Ihrer/em Stationsärztin/-arzt. 

Das Team der Abt. Onkologie, Hämatologie, Immunologie und Rheumatologie wünscht Ihnen gute Genesung. 

Das Original-Faltblatt können sie hier herunterladen.


Ernährung

Sollten Patienten mit Tumorerkrankungen eine bestimmte Diät einhalten? Klare Antwort: Nein! 
Es gibt keine Diät mit einer heilenden Wirkung gegen Krebs. Auch ein Schutz vor Rückfällen und Metastasen kann nach heutigem Kenntnisstand durch eine bestimmte Diät nicht erreicht werden. 
Nach Abschluss einer Tumorbehandlung, wenn sich der Alltag wieder eingespielt hat, ist wie jedem Gesunden auch eine ausgewogene, vielseitige Ernährung zu empfehlen. Dabei kann man sich an den Südeuropäern orientieren. Deren Mittelmeerküche verwendet Olivenöl statt Butter, mehr Fisch und weniger Fleisch und viel Obst und Gemüse. 
Anders sieht die Sache aus, wenn als Folge der Tumorerkrankung eine Mangelernährung besteht. Dann ist eine spezielle Ernährungstherapie nach Maßgabe des Arztes notwendig. 
Auch nach Operationen und Bestrahlungen im HNO-Bereich und Magen-Darm-Trakt sind häufig spezielle Ernährungstherapien erforderlich. Unser Klinikum bietet eine spezielle Diätberatung an. Ihre Stationsärzte informieren Sie gerne.

Vitamine und Spurenelemente

Solange Patienten mit Tumorerkrankungen sich ausgewogen ernähren können, gibt es keinen Grund, zusätzliche Vitamin- oder Mineralstoffpräparate einzunehmen. Ein therapeutischer Effekt auf Tumoren ist für kein Vitamin und Mineralstoff nachgewiesen. Ungünstig kann sich möglicherweise eine hochdosierte Vitamintherapie während einer Chemo- oder Strahlentherapie auswirken. Es gibt Hinweise, dass sogenannte Antioxidantien die Tumorzellen schützen und damit die Wirkung der Behandlung abschwächen. 

Nach Abschluss der Therapie sind handelsübliche Vitamin- und Mineralstoffpräparate als unbedenklich anzusehen. Allerdings sind sie bei gesunder Ernährung – „5 x am Tag Obst und Gemüse“ – nicht nötig. Einer Prüfung im Rahmen eines Zulassungsverfahren, wie bei Medikamenten, sind die als Nahrungsergänzungsmittel bezeichneten Präparate nicht unterworfen.

Misteltherapie

Die Misteltherapie stammt aus der von Rudolf Steiner begründeten Anthroposophie und wird in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern bei Tumorerkrankungen häufig eingesetzt. Mistelpräparate unterliegen nicht dem für Medikamente vorgeschriebenen Zulassungsverfahren. Würde man die gleichen Kriterien zur Prüfung der Präparate anlegen, wie sie zum Beispiel für eine neue Chemotherapie-Substanz gelten, bestünden noch erhebliche Wissenslücken. Von Befürwortern wird Mistelpräparaten eine immunstimulierende und teilweise eine tumorhemmende Wirkung zugeschrieben, daneben wird als Behandlungsziel eine Verbesserung der Lebensqualität genannt. 

Mistelpräparate sind nicht nebenwirkungsfrei. Kopfschmerzen, Fieber, Kreislaufstörungen und insbesondere allergische Reaktionen können auftreten.
Studien gibt es zur Misteltherapie viele, qualitativ gute und aussagekräftige nur wenige. In diesen Studien konnte kein Effekt auf die Lebensdauer von Krebspatienten und die Rückbildungsrate von Tumoren nachgewiesen werden. 
Abzuraten ist von einer Misteltherapie bei immunogenen Tumoren, wie dem Nierenzellkarzinom, dem malignen Melanom und Erkrankungen des lymphatischen Systems (maligne Lymphome). Hier kann ein stimulierender Effekt der Misteltherapie auf das Wachstum der Tumorzellen nicht ausgeschlossen werden.
In jedem Fall sollten Sie sich mit Ihrem betreuenden Arzt beraten, wenn Sie eine Mistelbehandlung planen. Sprechen Sie offen Ihre Fragen zu alternativen Heilverfahren an und informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie ergänzend eine solche alternative Therapie durchführen.

Fatigue

Rund die Hälfte aller Tumorpatienten berichten über eine ausgeprägte Mattigkeit. Diese vermehrte Erschöpfung bei Krebs nennt man auch Fatigue. Sie kann als unmittelbare Folge einer Strahlen- oder Chemotherapie, als Nebenwirkung von Medikamenten (nicht nur der Krebsmedikamente), aber auch als Ausdruck der Erkrankung selbst auftreten. Zusätzlich verstärkt werden kann sie durch andere Faktoren wie Blutarmut, Schmerzen, Übelkeit, Infektionen, Schlafstörungen, Mangelernährung, Abnahme der Muskelmasse und Bewegungsmangel. 
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn sie unter Fatigue leiden. Er kann Sie auf beispielweise auf Blutarmut hin untersuchen und behandeln. Günstig auf Ihr Wohlbefinden können sich Bewegung, vorsichtiges Ausdauertraining und die Behandlung von Schlafstörungen auswirken. Ein Beratungsangebot des Deutschen Krebsforschungszentrums ist das Fatigue-Telefon (FIT). Es ist unter 0 62 21/42 43 44 jeweils montags, mittwochs und freitags von 16.00 bis 19.00 Uhr erreichbar.


Blutwerte

Wenn Sie bei uns eine Chemotherapie erhalten haben, sind nach Entlassung meist hausärztliche Blutbildkontrollen notwendig. Hierbei muss besonders auf drei Blutwerte geachtet werden:
  • Leukozyten (weiße Blutkörperchen) sind für die Abwehr von Infekten zuständig. Besonders wichtig ist die Untergruppe der neutrophilen Granulozyten. Unterschreiten diese eine Grenze (unter 500/µl, dies ist in der Regel bei unter 1000 Leukozyten/µl insgesamt der Fall), dann besteht eine besondere Gefährdung durch bakterielle Infektionen. In diesem Fall muss bei Auftreten von Fieber umgehend ein Arzt aufgesucht werden. In der Regel ist dann eine sofortige stationäre Antibiotika-Behandlung erforderlich.

  • Thrombozyten (Blutplättchen) dichten die Blutgefäße ab. Bei einem ausgeprägten Mangel (in der Regel bei Werten unter 20.000/µl) besteht eine deutlich erhöhte Blutungsgefahr. Treten solche Werte auf oder bestehen Blutungszeichen, muss umgehend eine ärztliche Untersuchung und evtl. eine Transfusion von Thrombozyten erfolgen.

  • Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) ist der Sauerstoffträger in den roten Blutzellen. Bei einer Blutarmut mit einem Wert von unter 8-10 g/dl treten in der Regel Beschwerden, wie Müdigkeit und Luftnot bei körperlicher Betätigung, auf. In diesem Fall sind häufig Bluttransfusionen erforderlich.

Medikamente

Bei der Entlassung erhalten Sie einen Medikamentenplan. Besprechen Sie diesen mit Ihrem betreuenden Arzt beim Abschlussgespräch. Werden Sie vor Wochenend- und Feiertagen entlassen, erhalten Sie in aller Regel die für diesen Zeitraum erforderlichen Medikamente. Normalerweise ist Ihr Hausarzt für die ambulante Verordnung zuständig.


Kontakt bei Fragen und Problemen

Zögern Sie nicht, sich bei Fragen an Ihre betreuenden Ärzte zu wenden.

Sie erreichen die Abteilung unter den folgenden Telefonnummern:
Prof. Dr. Lothar Kanz 0 70 71/29-8 27 26
Station 4 Süd  0 70 71/29-8 27 70
0 70 71/29-8 27 71
Station 5 Süd 0 70 71/29-8 27 79
Tagesklinik F1 0 70 71/29-8 27 72
Tagesklinik 5 Süd 0 70 71/29-8 43 40
Station 2 IS 0 70 71/29-8 44 78
Fax 0 70 71/29-36 71
Pforte 0 70 71/29-8 27 11

 
Notfälle: 

über die Pforte, Tel. 0 70 71/29-827 11 der Medizinischen Klinik erreichen Sie sieben Tage 
die Woche rund um die Uhr den hämato-onkologischen Rufdienst. 

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